Zu Zweit – ein biografisches Gespräch mit Jakob Maria Mierscheid
Jakob Maria Mierscheid ist Bundestagsabgeordneter der SPD. Er zog 1979 als Nachrücker über die rheinland-pfälzische Landesliste in den deutschen Bundestag ein, dem er seither durchgehend
angehört. Sein Heimatwahlkreis ist Bernkastel-Wittlich im Hunsrück. In seiner mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Tätigkeit hat Mierscheid viele Spuren hinterlassen. Sein wohl bisher größter Erfolg ist die Formulierung des Mierscheid-Gesetzes:

Der Stimmenanteil der SPD richtet sich nach dem Index der deutschen Rohstahlproduktion der alten Länder – gemessen in Millionen Tonnen – im jeweiligen Jahr der Bundestagswahl

Als Anerkennung seiner pflichtbewußten Arbeit wurde kürzlich die Verbindungsbrücke zwischen
Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und dem Paul-Löbe-Haus auf den Namen »Jakob-Mierscheid-Steg«
getauft. Seine Heimatstadt Moorbach befaßt sich zur Zeit mit dem Plan, die »Baldenauhalle« in
»Jakob-Mierscheid-Halle« umzubenennen. Dietrich Sperling, langjäriger Wegbegleiter Mierscheids,
hat im Vorwort des Buches »Jakob Mierscheid – Aus dem Leben eines Abgeordneten« (Nomos-Verlag)
10 Punkte formuliert, warum Mierscheid im Bundestag bleiben muß:

  1. Jakob Mierscheid kennt keine Tabus und greift unpopuläre Themen auf.
  2. Jakob Mierscheid nimmt sich der Probleme derer an, die keine Lobby haben.
  3. Jakob Mierscheid trägt dem Fraktionsmanagment und der Verwaltung des Deutschen Bundestages Vorschläge und Anregungen zur Arbeit des Parlaments vor, die andere deshalb nicht vorbringen,
    weil sie den unmittelbaren Bereich der Abgeordneten betreffen und Mierscheids Kollegen die verletzte Eitelkeit und die Angst um Privilegien der anderen fürchten.
  4. Jakob Mierscheid ersetzte vor der politischen Wende 1982 in kleinen, aber nicht unwichtigen Einzelfragen die parlamentarische Opposition, die sich statt ihrer eigentlichen Aufgabe, der Kontrolle der Regierung, nachzugehen im nationalen Pathos erging.
  5. Jakob Mierscheid ist kreativ und hat Ideen. Er spricht eine klare und einfache Sprache, hat gesunden Menschenverstand und findet oft verblüffend einfache Lösungen.
  6. Jakob Mierscheid hält Beamte und Politiker zur Selbstkontrolle und Reflexion an. Jeder, der zu einem Vorschlag von Jakob Mierscheid Stellung nimmt, muss sich seine Antwort genau überlegen, da Jakob Mierscheid mit seiner einfachen, aber zwingenden Logik Widersprüche sofort aufdeckt. Seine Hartnäckigkeit ist gefürchtet.
  7. Jakob Mierscheid ist noch nicht vollständig im Parlament »sozialisiert« und zwingt seine Kollegen durch seine Spontaneität ständig, überkommene und eingefahrene Rituale zu hinterfragen und zu erklären.
    Er nimmt keine Rücksicht auf formelle und informelle Hierarchien, sondern sagt überall und offen seine Meinung. Wenn er es für notwendig hält, lässt er auch höchsten Stellen seinen Ratschlag zukommen.
  8. Jakob Mierscheid hilft seinen Kollegen, Spannungen und Verspannungen abzubauen, Nervosität zu mildern und den Stress des parlamentarischen Betriebes leichter zu ertragen. Gespräche mit oder über Mierscheid sind angenehme Auflockerungen in der Berliner Hektik.
  9. Jakob Mierscheid ist ein beliebter Gesprächspartner. Jeder Abgeordnete zieht eine Bitte von Jakob Mierscheid um ein Gespräch einem anderen Parlamentstermin vor und verlässt im Zweifel mit einem entsprechenden Hinweis seine jeweilige, vielleicht auch nicht überaus interessante Sitzung.
  10. Ein ehemaliger Bundeskanzler hat vor dem Deutschen Bundestag mehr Humor in der Politik gefordert.
Mierscheid ist trotz dieser Lobgesänge immer noch bescheiden geblieben, den Ruhm überläßt er gerne anderen. Mehr zu Mierscheids Person gibt es auf seiner Homepage. Einen Teil seiner schriftlichen Veröffentlichungen gibt es hier.